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Die Tradition des Osterwasser-Holens
Meine Oma hat mir früher oft erzählt, dass sie
und ihre Schwestern am Ostermorgen in aller Frühe zur
nächsten Quelle gelaufen sind und Osterwasser holten.
Dabei, meinte sie, durfte man den gesamten Hin- und auch
den Rückweg über nicht sprechen.
Nicht ein einziges Wort.
Sonst verliere es seine Wirkung.
Heute wird als Osterwasser hauptsächlich das Taufwasser
in der christlichen Kirche bezeichnet, welches in der Osternacht
bereitet wird. Es füllt das ganze Jahr über das
Weihwasserbecken und ist gesegnetes Wasser.
Sich mit diesem Wasser zu bespritzen, gilt als Reinigungs-
und Segnungsgeste.
Ursprünglich entspringt das Osterwasser-Holen heidnischer
Tradition.
Das Wasser gilt als Ursymbol des Lebens und der Fruchtbarkeit
und wurde bei den Germanen zum Gedenken an die Frühlings-
und Fruchtbarkeitsgöttin Ostera verehrt.
Es hat belebende Kraft, es reinigt und heilt und es erhält
jung und schön. Na, sind das nicht wundervolle Aussichten?
Also, überleg Dir doch einmal, ob es nicht in Deiner
unmittelbaren Umgebung eine Quelle gibt, zu der Du am Ostermorgen
wandern kannst, um Dich ein wenig mit diesem wundervollen
Nass zu bespritzen.
In der Vergangenheit, heißt es, haben sich vor allem
unverheiratete Frauen in fließendem Osterwasser gewaschen.
Tja, warum wohl? ;-)
In der Tradition heißt es weiter, dass, aus der Quelle
geschöpft, das Osterwasser Ausschlag und viele andere
Krankheiten vertreibt. Sogar das Vieh wird am Ostermorgen
in einen der Bäche getrieben, um es vor Krankheit zu
schützen.
Ein wundervoller Brauch, wie ich finde.
Nun stelle ich mir vor, wie ich mich auf den Weg mache,
schweigend, um mich mit diesem wundervollen Nass zu benetzen
und eine Schale des heiligen Wassers nach Haus zu tragen.
Und was ich auf jenem Weg, in aller Frühe, schweigend,
erlebe, kannst du sehr bald lesen...
Einen gesegneten Osterwasser-Kuss
von Deiner Zoë
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