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Lieber Besucher,
wir - eine Freundin und ich bummeln verträumt durch
die Stadt. Alle Schaufenster sind so hübsch weihnachtlich
geschmückt, dass wir uns kaum sattsehen können.
Wir sehen uns die neuesten Weihnachts-Deko-Trends an, lassen
uns von der Unruhe und Hektik der anderen Weihnachts-Shopper
aber nicht anstecken.
Plötzlich stehen wir vor einer Menschentraube. Neugierig
bleiben auch wir stehen. Ein Stand ist hier aufgebaut. Man
kann Lose ziehen für 1 €. Zu gewinnen gibt es
jede Menge Krimskrams, einige hochwertigere nützlichere
Dinge wie Rasierapparate für die Herrenwelt, Pulsmessgeräte
oder Personenwaagen (ob das ein toller Preis für eine
Frau in der Weihnachtszeit ist, lasse ich jetzt mal dahingestellt
);
und sogar Reisen gab es zu gewinnen. Aber der Hauptpreis
- man mag es kaum glauben, das war ein Weihnachtsmann für
einen Abend als Begleitung. Der Herr stand ebenfalls am
Stand und die Damenwelt war ganz hin und weg von dem gutaussehenden
charismatischen Mann.
Meine Freundin war ganz aus dem Häuschen. Wir kauften
zwei Lose - meine Freundin gewann eine Packung Buntstifte
und ich zog eine Niete. Sie kaufte uns noch zwei Lose und
wieder war der heißersehnte Hauptgewinn nicht dabei.
Wir beschlossen weiter zu gehen und uns ein paar Meter weiter
eine Waffel mit heißen Himbeeren zu gönnen. Meine
Freundin malten sich die irrsinnigsten Erlebnisse aus, die
man mit diesem Weihnachtsmann wohl haben könnte. Man
könnte ihn als "Haus-Elf" nutzen und sich
den ganzen Abend nach Herzenslust verwöhnen lassen.
Er würde, während wir uns in der Badewanne entspannten,
erst ein traumhaftes Abendmenü auf den Teller zaubern
und anschließend unser Sofa mit Kissen und Decken
gemütlich herrichten, Chips bereitstellen, einen heißen
Kakao kochen und uns jeden Wunsch von den Lippen ablesen.
Unser Weihnachtsmann würde in Windeseile und ohne jegliches
störendes Tellerklappern die Küche auf Hochglanz
bringen um schnell wieder bei uns zu sein und unseren Nacken
massieren. Auf die Andeutung, dass wir kalte Füße
haben, würde er der Nackenmassage eine Fußmassage
folgen lassen und mit uns zusammen im Licht der flackernden
Kerzen "Dirty Dancing" schauen. "Träum
weiter!" riss ich meine Freundin aus ihrer Gedankenwelt.
Sie war von dem Gedanken richtig begeistert und wollte später
unbedingt noch einen Versuch beim Los-Stand wagen. Wir aßen
unsere Waffel auf und wärmten uns an einem Glühwein.
Beim Rückweg machten wir einen Abstecher zum Los-Stand.
Der "Weihnachtsmann für einen Abend" stand
nicht mehr vor Ort. Meine Freundin fragte natürlich
sofort den Losverkäufer, ob der Hauptgewinn denn schon
gezogen wurde. Aber der Herr konnte ihre Angst beschwichtigen
- der Weihnachtsmann musste sich aufwärmen, wird aber
wiederkommen.
Gesagt - getan - wir zogen jeder ein weiteres Los aus der
großen Box. Meine Freundin riss die Enden des zusammengefalteten
Papieres ab - ein Gewinn, leider nicht der Hauptgewinn.
Sie ist jetzt Besitzerin einer Saftpresse - die dritte,
die sich in ihren Küchenschrank einreihen darf. Mein
Los entfachte ein merkwürdiges Gefühl in mir,
gar eine Mischung von Übelkeit, Überforderung
und Kribbeln. In großen Buchstaben stand auf meinem
Zettel "Hauptgewinn". Ich wusste gar nicht, wie
mir geschah. Meine Freundin fragt mich, ob ich was gewonnen
hätte. Im Eifer des Gefechts antwortete ich, dass es
wieder nur eine Niete sei.
Ich steckte das Los in meine Jackentasche und wir machten
uns auf den Heimweg. Sollte ich das Los später noch
einlösen? Oder meiner Freundin schenken, die sich doch
so sehr den Weihnachtsmann-Abend gewünscht hatte? Ich
wartete erst einmal ab.
Fortsetzung folgt
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