| Mein Lieber, es
ist so kalt da draußen. Und schon wieder so dunkel. Wie schön wäre
es jetzt bei leicht geöffnetem Fenster die warme Sommerluft zu genießen...
Zuhause, in einen Hauch von nichts gekleidet, die Finger schon ganz heiß
vom vielen tippen, mit verheißungsvollen neuen Bekanntschaften... Wenn
ich mich dann doch durchringe, diesen wunderbaren Chat zu verlassen, ist meine
Haut empfindlich, in meinem Bauch ist Sehnsucht, in meinem Kopf sind Bilder, die
schmerzen, weil sie nicht real werden.... Ich hatte wieder einmal die eleganten
Gespräche genossen, die feinen Anspielungen, die Neckereien und Flirts. Hatte
vor dem Bildschirm sitzend all diese Frauen und Männer vor meinem inneren
Auge entstehen lassen, hatte ihre Schönheit, ihren Charme und ihren Witz
bewundert. - Und fand mich am Ende wieder allein in diesem Zimmer, in dem der
Bildschirm die Mitte ist und die Tastatur meine Verbindung zur Außenwelt.
Meine Sinne wach, meine Phantasie entfesselt. Ich begab mich zum Bett. In
die Kissen gelehnt, den glatten Stoff der Decke auf meiner nackten Haut wollte
ich mich wenigstens in dieser Phantasiewelt bewegen und meinem Körper mit
eigenen Händen die Lust geben, die er sich so sehr von den Händen wünschte,
die ganz virtuellen Menschen gehörten. Ich sehe diese Menschen auf
einer Party im Park einer alten Villa. Es ist warm, ein Sommertag neigt sich seinem
Ende zu. Die Menschen auf der Terrasse, im weiten Garten und auf der Wiese sind
nicht nur der Temperatur wegen leicht und luftig gekleidet. Es herrscht eine prickelnde
Stimmung bei all den scheinbar profanen Aktivitäten. Es wird da gegrillt
und es gibt knackige Salate an einem Büffet, eine kleine Cocktailbar auch
mit bunten Getränken. Da wird getanzt im schwindenden Tageslicht, während
Fackeln und Windlichter und Lampions angezündet werden. Auf Bänken sitzen
Menschen, im Gras auf Decken, in bequemen Stühlen auf der Terrasse, deren
Steinboden noch die Wärme abstrahlt, die er den Tag über aufnahm. Es
wird geplaudert und gelacht, die Stimmung ist gelöst und doch voller Spannung.
Man hat Zeit, niemand ist ungeduldig, denn jede und jeder weiß: das schönste
kann noch kommen. Wart nur, bis es dunkler wird! Hie und da sieht man ein
Paar, das sich neckt, umarmt und küsst. Immer aber sind es nur kurze Kontakte.
Appetithäppchen. Die Gespräche bekommen eine Note. Man kann sich hier
keine Blöße geben, wenn man das Gespräch auf erotische Dinge lenkt.
Mit Gefallen wird das Thema aufgegriffen, und es setzt sich in verschiedensten
Variationen in alle Richtungen fort. Woanders sind Blicke unziemlich. Hier
gehören sie dazu, sind erwünscht und werden genossen. In einem Moment,
da ich für mich dastehe mit gutem Rotwein im Glas, lasse ich meinem Blicken
freien Lauf und genieße die versammelte Schönheit um mich herum. Die
da drüben (wie war noch ihr Nick im Chat?) im T-Shirt... mit Vergnügen
stelle ich fest, dass sie den BH weggelassen hat, dass ihre Brüste mit gewölbten
Höfen und kecken Spitzen sich gegen den Stoff drücken, als wollten sie
ihn nicht länger dulden.... Ihr Shirt ist kurz, und zwischen seinem Saum
und den Jeans verschafft sich gebräunte Sommerhaut Aufmerksamkeit.... Weiter
links beobachte ich mit voyeuristischer Lust zwei schöne Menschen, die einander
liebkosen. Er steht hinter ihr und streichelt ihren Bauch, sie lehnt ihren Kopf
zurück und lacht. Dabei sind die beiden im Gespräch mit einem andern
Paar, das sich gern anstecken lässt... Auf einer Bank sitzen drei,
denen es schon dämmrig genug ist, sich ihrem Sehnen hinzugeben. Zwei schöne
Männer sitzen da links und rechts von ihr und verwöhnen eine sie mit
aller Kunst. Der eine -sie küssend - schiebt mit elektrisierender Fingerspitze
feine Träger über ihre Schultern. Der andre lässt seine Hand über
die Innenseiten ihres Schenkels wandern, der sommerwarm und kaum bedeckt vom kurzen
Rock zu allem einlädt... Ich spüre Erregung. Ich möchte auch!
Ich wandere ein wenig umher, bis ich in einigem Abstand von IHR stehen bleibe.
Sie fällt mir auf, weil sie alleine da sitzt auf der Decke, ganz bei sich,
und sich selber streichelnd Wohltat genießt. Ihre Augen sind geschlossen.
Leise setze ich mich neben sie, lege sanft meine Hand auf ihre und reise mit.
Sie hält nur kurz inne ob dieser Unerhörtheit, lächelt dann - und
führt meine Hand auf eine Reise über ihre Schönheiten, die mich
der Welt entreißen, alles um mich unwichtig machen.... Wir verlieren uns
wie sich unsere Kleider verlieren. Sehen nicht mehr die Spiele der andern um uns,
schämen uns keiner Nacktheit, genießen nur Sommernachtluft und kosenden
Wind und stimmen ein in das lustvolle Konzert dieser Menschen, die mit allen Sinnen
einander und sich selbst beschenken und genießen...... Sich nach diesem
Genuss verzehrend
Deine
Gretha
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