Naturfilm

Mein lieber Leser,

kürzlich sah ich im Fernsehen einen Naturfilm, in dem es um Fortpflanzungsstrategien und Sex im Tierreich ging. Allerlei Überraschendes war zu erfahren, zum Beispiel, dass Geschenke unter Tieren im Zusammenhang mit Paarbildung und Fortpflanzung nicht selten sind! So bringen die Männchen einer bestimmten Pinguinart einem von ihnen begehrten Weibchen Kieselsteine (brauchen diese als Nistunterlage) als Geschenk dar, und zum Lohn dürfen sie mit dem Weibchen Sex haben. Bei einem Weibchen haben die Forschung 62 Kieselsteine gefunden. Ist das Prostitution…😉?

Schließlich kam mir der Gedanke, was wohl über die Spezies Mensch berichtet würde, kämen wir mal in einem Naturfilm vor? Das ginge dann in etwa so:

„Bei den Menschen ist das Sexualverhalten häufig weitgehend von der Fortpflanzung entkoppelt – eine Besonderheit im Tierreich, die Wissenschaftler sonst nur von den Bonobos, einer Schimpansenart, kennen. Menschen haben sehr häufig Sex, allerdings in einer extremen interindividuellen Variabilität von nie bis zu mehrfach täglich. Zumindest offiziell scheinen die meisten Menschen in monogamen oder zumindest seriell monogamen Beziehungen zu leben – aber Paarungen außerhalb der bestehenden Beziehung, sogenannte Seitensprünge, wurden bereits häufiger dokumentiert. In früher erstellten Statistiken wird die Seitensprunghäufigkeit von Männchen als höher angegeben als die der Weibchen, was zunächst verwundert, weil zu jedem männlichen Seitensprung schließlich auch ein Weibchen gehört. Des Rätsels Lösung könnte sein, dass es unter den Weibchen einige wenige gibt, die teils mit extrem vielen Männer sexuelle Kontakte eingehen. Dieses Verhalten wurde jetzt gezielt untersucht. Dabei wurden insbesondere die Aktivitäten eines weiblichen Exemplars von den Wissenschaftlern dokumentiert, welches den Forschern dadurch aufgefallen war, dass es manchmal mit einem roten Koffer und manchmal ohne diesen Koffer unterwegs zu Treffen mit sexuell interessierten Männchen war.

Zunächst liefen diese Begegnungen immer ähnlich ab. Das Weibchen entfernte sich von seiner Wohnung, um sich an einem offensichtlich vorher verabredeten Ort, oft einem Hotel, mit einem Männchen zu treffen. Häufig war das Weibchen zu diesen Anlässen speziell gekleidet, in der Regel wurden dadurch seine sekundären Geschlechtsmerkmale deutlicher akzentuiert. Zu Beginn des Treffens bekam das Weibchen ein Geschenk überreicht, und danach begann in der Regel sofort die Paarung. Seltener wurde beobachtet, dass das Männchen das Weibchen zuerst in der Öffentlichkeit begleitete und ihm zum Beispiel etwas zu essen gab. Das Zusammenspiel zwischen Geschenken, Essensübergabe und Sex ist im Tierreich nicht einmalig und wird häufig beispielsweise auch bei bestimmten Pinguinen beobachtet. Die Parallelen zwischen den verschiedenen Spezies müssen aber noch weiter untersucht werden.

Der Ablauf einer solchen geschenkgetriggerten Paarung unterschied sich deutlich von bisher beobachteten Paarungen anderer menschlicher Individuen, insbesondere solcher in festen Beziehungen. Im Gegensatz zu diesen „alltäglichen“ sexuellen Interaktionen wurden bei den hier geschilderten Treffen in der Regel mindestens zwei, häufig alle drei weiblichen Sexualöffnungen benutzt. Außerdem waren die Koitusfrequenz höher und die Dauer des Aktes durchschnittlich länger, und die Männchen schienen immer ganz besonders viel Freude am Sex zu haben. Die Dauer der Treffen variierte stark, möglich ist hier ein Zusammenhang mit der Größe des Geschenkes.

Wenn das Weibchen mit dem roten Koffer unterwegs war, dann liefen die Treffen noch etwas anders ab. In dem genannten Koffer befinden sich zahlreiche Accessoires, mit denen das Weibchen beispielsweise fixiert, zusätzlich geschmückt oder maschinell stimuliert werden konnte. Häufig wurde das Weibchen auch geschlagen, teilweise unter Benutzung verschiedenster Gegenstände. Dies hat die Forscher zunächst verwundert und auch etwas erschreckt, allerdings scheinen dem Weibchen diese Prozeduren keineswegs geschadet, sondern ihm zumindest teilweise auch große Freude bereitet zu haben. Eine Theorie besagt, dass bei Schlägen auf das Gesäß die Geschlechtsorgane besser durchblutet werden, was die Stimulationsfähigkeit erhöhen könnte. Auch hier ist jedoch weiterer Forschungsbedarf vorhanden.

Die Häufigkeit der Sex-Ausflüge unseres Weibchens variierte deutlich. Manchmal kamen sogar mehrere Treffen unmittelbar nacheinander vor.“

So, das war mein fiktiver Beitrag über das menschliche Sexualverhalten, aus der Distanz oder aus der Sicht einer anderen vernunftbegabten Spezies betrachtet. Das gewählte Beispielexemplar  zeigt natürlich nicht eine typische, sondern eine ganz herausragende Vertreterin der weiblicher Sexualität, wie dir ganz sicher aufgefallen ist!

Übrigens: Ob und wie oft und mit wem das genannte Weibchen mit oder ohne Koffer auch noch Sex ohne Bezahlung hat, war allerdings nicht Gegenstand der aktuellen Dokumentation.

(Sorry, lieber Leser, GEHEIMNIS 😉).

 

Mein lieber Leser, du musst jetzt entscheiden: Willst du weiter (Natur-)filme schauen? Oder willst du gemeinsam mit mir etwas erleben??

Deine erlebnishungrige(n) Jane & jane.s

Bildquelle: DR